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Fernkälte

Ökologische Alternative zur Klimaanlage

Der zunehmenden Nachfrage nach Klimatisierung steht in der warmen Jahreszeit ein Angebot an bislang nicht genutzter Wärme gegenüber. Die Wiener Stadtwerke engagieren sich deshalb für den Einsatz von Fernkälte – einer Technik, mit der Kälte aus Wärme erzeugt wird.

Konventionelle Klimaanlagen sind gleich doppelt umweltschädlich: Erstens benötigen sie klimaschädliche Kältemittel und zweitens muss der für den Betrieb notwendige Strom zu einem besonders großen Anteil aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden. Das Angebot an Wasserkraft reicht auch im Sommer schon lange nicht mehr aus, um den für die Klimatisierung notwendigen zusätzlichen Strombedarf abzudecken, und so muss der Strom in thermischen Kraftwerken erzeugt werden.

In Wien steht außerhalb der Heizperiode ein großes Potenzial an ungenutzter Wärme unter anderem aus Müllverbrennungsanlagen, aus der Stromerzeugung und aus Industriebetrieben zur Verfügung. Diese Wärme kann für Absorptionskältemaschinen verwendet werden. Diese können entweder beim Wärmeabnehmer oder aber beim Kältelieferanten stehen.

Beim Konzept Wärmeabnehmer wird dem Kunden oder der Kundin wie im Winter Fernwärme geliefert. Die Kälte wird erst vor Ort in einer Kältezentrale erzeugt.

Beim Konzept Kältelieferant wird die Kältezentrale direkt am Ort der Wärmeentstehung - also z.B. einer Müllverbrennungsanlage - errichtet.  Dann wird dort die Kälte erzeugt und damit Wasser auf 6 °C abgekühlt. Dieses Klimakaltwasser wird in isolierten Rohrleitungen zu den Abnehmern transportiert und in deren Klimasystem eingespeist. Dort dient das kalte Wasser zur Kühlung der Räume über ein Rohrsystem. Danach fließt das Wasser - nun mit einer Temperatur von 12 bis 16 °C – zurück in die Kältezentrale, wo es erneut abgekühlt wird. 

Deutlich weniger Strom als bei herkömmlicher Kühlung

Auch wenn Fernkälte nicht gänzlich ohne Strom auskommt – schließlich muss die Kühlflüssigkeit Wasser transportiert und ein kleiner Teil der Kälte muss nach wie vor in stromgeführten Kältemaschinen erzeugt werden –, ist der Verbrauch an fossilen Brennstoffen zwischen vier- und zehnfach geringer als der herkömmlicher Klimaanlagen.

Die Einsparungsprognose an Strom durch Fernkälte in Österreich liegt bei etwa 170 bis 270 Gigawattstunden in den nächsten fünf Jahren. Hinsichtlich des Reduktionspotenzials an CO2-Emissionen kann mit einer Einsparung von bis zu 200.000 Tonnen pro Jahr bis 2020 gerechnet werden.

Fernkältezentrale in Wien

Die Wiener Stadtwerke wollen Fernkälte deshalb in Zukunft verstärkt nutzen. Unsere erste Fernkältezentrale nach dem Konzept Wärmeabnehmer ist bereits in Betrieb. Angeschlossen an das Wiener Fernwärmenetz, versorgt sie seit 2007 den neuen Business-Park TownTown mit insgesamt 21 Bürogebäuden im 3. Wiener Bezirk mit vor Ort klimafreundlich erzeugter Kälte.  In 2010 wird auch das Sozialmedizinische Zentrum Ost – Donauspital (SMZ Ost) mit einer eigenen Kältezentrale ausgestattet.

Das Konzept Kältelieferant wurde im Jahr 2009 mit der Kältezentrale Spittelau an der gleichnamigen Müllverbrennungsanlage realisiert. Seit Juni 2009 werden das Allgemeine Krankenhaus (AKH), die Universität für Bodenkultur (BOKU), das Bürogebäude Skyline und das Medienhaus (besser bekannt als Ö3-Gebäude) über ein Fernkältenetz mit Kälte versorgt.

Die Funktionsweise der Fernkälte wird auch im Nachhaltigkeitsbericht 2009 näher erläutert. Wenn Sie sich für die Nutzung von Fernkälte interessieren, wenden Sie sich bitte an:

Fernwärme Wien
Energieprojekte & Baumanagement
Spittelauer Lände 45
1090 Wien
Tel.: (01) 313 26-2250
Fax: (01) 313 26-1250