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Österreich

Der Klimawandel in Österreich

Auch in Österreich sind die Folgen des Klimawandels nicht mehr zu übersehen. Als Beitrag zum Klimaschutz hat sich Österreich im Kyoto-Protokoll verpflichtet, die eigenen Klimagasemissionen bis 2012 um 13 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu senken. Allerdings hat die beschlossene Klimastrategie bisher nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Die gemeinsame Klimastrategie von Bund und Ländern muss deshalb noch entschiedener umgesetzt werden.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Österreich nicht mehr zu übersehen. So schmelzen zum Beispiel unsere Gletscher immer weiter ab. Nach einer Untersuchung des Österreichischen Alpenvereins sind zwischen 2005 und 2006 über 90 Prozent der knapp 100 vermessenen Gletscher abgeschmolzen – im Mittel um knapp 16 Meter, im schlimmsten Fall um 84 Meter Länge.

Auch Schneestürme, Hochwasser und Überschwemmungen werden in Zukunft vermehrt und heftiger auftreten. Erste Anzeichen dafür waren bereits erkennbar. So hat das Jahrhundert-Hochwasser in Österreich im August 2002 nicht nur neun Menschen das Leben gekostet, sondern auch zu Sachschäden in einer Größenordung von knapp 5 Milliarden Euro geführt. Drei Jahre später – im August 2005 – stiegen die Wasserstände in Westösterreich nach einem schweren Unwetter so dramatisch an, dass die Verkehrsverbindungen zwischen Tirol und Vorarlberg komplett gesperrt werden mussten.

Wintersport leidet unter Klimawandel

Vermutlich werden als Folge des Temperaturanstiegs viele alpine Skigebiete weit weniger schneesicher sein als bisher. Zwar liegen für Österreich keine exakten Berechnungen vor, doch eine UNEP-Studie für die Schweiz prognostiziert, dass dort die Schneesicherheitsgrenze von 1.200 Meter auf 1.500 Meter oder sogar 1.800 Meter steigen könnte. Für Österreich könnte diese Entwicklung noch dramatischer ausfallen, weil die Skigebiete in geringeren Höhen liegen. Die Wintersportindustrie wird daher vermutlich einer der ersten Verlierer des Klimawandels in Österreich sein. 

Durch Trockenheit und Hitzeperioden wird auch die Versorgung mit Trinkwasser schwieriger werden. In der Landwirtschaft muss aufgrund von weniger Niederschlag mit deutlichen Ertragseinbußen gerechnet werden. Während der Hitzewelle in Österreich 2003 gingen die Erträge um über 30 Prozent zurück. Auch die Energieproduktion aus Wasser sank damals deutlich. Die Grafik zeigt den Rückgang der heimischen Stromproduktion aus Wasserkraft durch die Hitzewelle:

Graik: Stromversorgung in Österreich in MWH


Flora und Fauna verändern sich

Aufgrund der Erwärmung von Luft, Boden und Gewässern wird sich die österreichische Flora und Fauna verändern. Die Bedingungen für die Fichte etwa werden sich – nach einer Studie des WWF – deutlich verschlechtern.

„Durch den zunehmenden Trockenstress und wachsende Insektenschäden kommt bis zum Jahr 2100 vor allem die Fichte stark unter Druck… Dies könnte zu einer Verminderung der Schutzwirksamkeit unserer Bergwälder gegenüber Naturgefahren führen.“

WWF, Studie Klimawandel & Artenvielfalt, 2007

Österreichische Klimastrategie nicht ausreichend

Österreich hat sich im Rahmen der Lastenteilung der EU zum Kyoto-Protokoll verpflichtet, die eigenen Klimagasemissionen bis 2012 um 13 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu senken. Das ist deutlich mehr als die 5,2 Prozent, auf die sich die Industrieländer im Kyoto-Protokoll gemeinsam verpflichtet haben. Somit dürfen in der Kyoto-Periode von 2008 bis 2012 im Durchschnitt nicht mehr als jährlich 68,8 Mio. Tonnen Treibhausgase (CO2-Äquivalente) emittiert werden. Um ihren Verpflichtungen gerecht zu werden, haben Bund und Länder im Jahr 2002 eine gemeinsame Klimastrategie beschlossen, die im Jahr 2007 überarbeitet wurde. Allerdings führte die Klimastrategie bisher nicht zum gewünschten Erfolg. In 2008 lagen die Emissionen sogar 10,9% über dem Wert von 1990 und beliefen sich auf 86,6 Mio. Tonnen CO2eq. Wenngleich seit 2005 ein abnehmender Trend der österreichischen Treibhausgas-Emissionen festzustellen ist, geht das Umweltbundesamt in seinem aktuellen Klimaschutzbericht davon aus, dass die Kyoto- Ziele bis 2012 nicht erreicht werden können:


„Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass die Zielabweichungslücke des Jahres 2008 nicht durch niedrigere Emissionen der Jahre 2009 bis 2012 völlig kompensiert werden kann.

Die wichtigsten Verursacher von THG-Emissionen waren 2008 die Sektoren Industrie und produzierendes Gewerbe (30,5 %), Verkehr (26,1 %), Energieaufbringung (15,6 %), Raumwärme und sonstiger Kleinverbrauch (13,8 %). In den Sektoren Industrie sowie Energieaufbringung werden rund 80 % der Emissionen von Betrieben verursacht, die dem Emissionshandel unterliegen.“

 

Umweltbundesamt: Klimaschutzbericht 2010


Mehr Informationen beim Umweltbundesamt.  

Stromverbrauch steigt, Anteil an Wasserkraft sinkt

Privathaushalte und Wirtschaft verbrauchen nicht weniger, sondern mehr Strom. Das wirkt sich auch auf die österreichische Stromhandelsbilanz aus: Hat Österreich lange Zeit mehr Strom produziert als verbraucht, ist es seit 2001 auf Importe angewiesen. Im Jahr 2006 konnten mit heimischem Strom nur noch 58 Prozent des Bedarfes gedeckt werden. Insgesamt musste Strom im Wert von rund 574 Millionen Euro aus dem Ausland dazu gekauft werden.

Durch den Kauf von ausländischem Strom verändert sich die Zusammensetzung des verbrauchten Stroms. In Österreich ist der Anteil des aus Wasserkraft erzeugten Stroms traditionell hoch – 2006 betrug er 58 Prozent. Bei steigendem Energieverbrauch geht der Anteil an dieser erneuerbaren Energiequelle aber zurück, weil der zugekaufte Strom aus dem Europäischen Strommix UCTE (seit 2009: ENTSO-E-Strommix) vor allem aus fossilen Brennstoffen und Atomenergie gewonnen wird. Die Tabelle zeigt die Zusammensetzung der Stromerzeugung beim europäischen Mix und in Österreich für 2009:

Primärenergieträger

ENTSO-E-Mix 2010

Österreich 2009

Fossile Brennstoffe

48,9%

33,9%

Atomenergie

26,6%

0,0%

Wasserkraft

16,9%

62,3%

Sonstige erneuerbare Energieträger

7,2%

23,8%

Sonstige Primärenergieträger

0,3%

0,0%

Quellen:
ENTSO-E-Mix: E-Control

 

Österreich: E-Control